Konvivialismus: ein Manifest (Kurzfassung)

Konvivialismus: ein Manifest (Kurzfassung)

Erklärung der Interdependenz[1]

Einen solchen materiellen Wohlstand, ein so hohes technisch und wissenschaftliches Niveau ist bisher noch nie erreicht worden. Global gesehen ist der Mensch nun überreich und mächtig. Niemand hätte sich das vor ein paar Jahrhunderten vorstellen können. Damit ist aber natürlich nicht bewiesen, dass der Mensch glücklich ist. Alles rückgängig zu machen aber kommt für niemanden in Frage. Offensichtlich öffnen sich dem Menschen unentwegt neue Möglichkeiten, sich selbst oder gemeinsam zu verwirklichen.

Wer glaubt aber noch, dass diese Macht als solche grenzenlos zunehmen könnte, wenn wir unverändert in der reinen Logik des technischen Fortschrittes verbleiben, ohne dass sich alles in sein Gegenteil verkehrt, und ohne Risiko hinsichtlich des moralischen und physischen Überlebens der Menschheit? Die erste Gefahr, die dem Menschen droht, betrifft die materiellen, technischen und ökologischen Aspekte. Das sind entropische Gefahren. Aber auf den zweiten Typ von Gefahr, der mit der moralischen und politischen Dimension zusammenhängt, haben wir nicht einmal minimale Antworten parat. Wir wollen sie die anthropischen Gefahren nennen.

Problem Nummer eins

Der Mensch hat einen gewaltigen technischen und wissenschaftlichen Fortschritt vollbracht, aber er ist nicht in der Lage, das grundlegende Problem zu lösen: Wie kann man mit der Gewalt und Rivalität zwischen den Menschen umgehen, wie kann man die Menschen zur Zusammenarbeit bringen, so dass es möglich wird, einander zu widersprechen, ohne den anderen gleich umzubringen? Wie lässt sich die nun unbegrenzte und womöglich selbstvernichtende Tendenz dieser Macht für Mensch und Natur aufheben? Ohne rasche Antwort auf diese Fragen geht die Menschheit zugrunde. Obwohl alle materiellen Bedingungen für Wohlstand vorliegen, wird uns gleichzeitig die Endlichkeit des Menschen endgültig bewusst.

Vieles kann zur Antwort beitragen: jene Weisheiten, die im Laufe der Jahrhunderte von den Religionen, oder von verschieden Theorien im moralischen, politischen, philosophischen und sozialwissenschaftlichen Bereich geliefert wurden. Es gibt unzählige Initiativen, die von unzähligen Organisationen und Vereinigungen und Hunderten Millionen von Menschen getragen werden, die Alternativen zu der vorliegenden Weltverfassung entwerfen. Sie tauchen unter verschiedenen Namen auf, unter vielfältigen und unendlichen Formen und Größen: Menschenrechte, Bürgerrechte, Arbeiterbewegungen, Arbeitslosenvereinigungen, Frauenbewegungen, Kinderschutz; Sozialwirtschaft auf solidarischer Basis mit all ihren Elementen wie Genossenschaften im Bereich der Produktion und des Konsums, Wechselwirtschaft, Fair Trade, Parallel- oder Komplementärwährungen, Tausch im lokalen Bereich, die vielfältigen gegenseitigen Hilfsvereinigungen; die Zusammenarbeit übers Internet (siehe Linux, Wikipedia usw.); die Wirtschaft, die nicht ständig zu wachsen versucht, oder sogar eine postwirtschaftliche Entwicklung anstrebt; Bewegungen wie slow food, slow town, slow science, buen vivir; Einsichten, dass die Natur die gleichen Rechte hat, das Lob der Pachamama; die Alternativbewegungen, politische Ökologie und radikale Demokratie, die Indignados, Occupy Wall Street; die Suche nach anderen Kriterien des Reichtums, die Entwicklung der Persönlichkeit, das bewusste Masshalten, der massvolle Überfluss, der Dialog mit den Zivilisationen, die Care Theorien, das neue Konzept der Commons, usw. usf.

Damit diese vielen und gehaltvollen Initiativen die todbringende Dynamik unserer Zeit abblocken können und nicht einfach als Protest oder Notlösung verstanden werden, ist es unbedingt notwendig alle Kräfte auf einen Nenner zu bringen, und zu sagen, was ihnen gemeinsam ist.

Über Konvivialismus

Was ihnen allen gemeinsam ist, ist das Streben nach einem Konvivialismus, der Kunst, miteinander zu leben (con-vivere), den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich gegenseitig zu versorgen und um die Natur zu kümmern, ohne deshalb den legitimen Konflikten auszuweichen. Diese Konflikte sollen kreativ und dynamisch entfaltet werden. Das Mittel, die Gewalt und den Todestrieb abzudrängen, diese Lösung muss gefunden werden. Dazu wird ein gemeinsamer Nenner in unseren Thesen gebraucht, so gering er auch sein mag, der es erlaubt, gleichzeitig auf vier (plus eine) grundsätzliche Fragen zu antworten, die den ganzen Planeten betreffen:

- Die moralische Frage: Welche Hoffnung dürfen die Menschen hegen, und was muss ihnen verboten werden?

- Die politische Frage: Welche Gemeinschaft kann politisch Legitimität beanspruchen?

- Die ökologische Frage: Was dürfen wir der Natur entnehmen, und was müssen wir ihr zurückgeben?

- Die ökonomische Frage: Welchen Reichtum dürfen wir produzieren, und auf welche Weise, wenn wir im Rahmen der Antworten bleiben, die auf die vorhergehenden Fragen gefunden wurden?

- Zusätzlich zu diesen Fragen ist jeder frei, eine weitere zu stellen, oder nicht: was über Naturkräfte geht oder unsichtbar bleibt: die spirituelle oder religiöse Frage. Oder die Frage nach dem Sinn.

 

Allgemeine Betrachtungen:

Die einzige legitime soziale Ordnung, die im Ganzen betrachtet in Frage kommt, ist jene, die sich auf eine gemeinsame Menschheit, eine gemeinsame Vergesellschaftung und Individualisierung, eine gemeisterte und schöpferische Opposition beruft.

Prinzip der gemeinsamen Menschheit: Hautfarbe, Staatsangehörigkeit, Sprache, Kultur, Religion oder Reichtum, Geschlecht und sexuelle Orientierung – so verschieden sie auch sein mag, es gibt nur eine Menschheit, die jeder respektieren muss, in jedem Menschen, der Teil des Ganzen ist.

Prinzip des gemeinsamen Vergesellschaftung: Die Menschen sind gesellschaftliche Wesen, deren größter Reichtum in den gesellschaftlichen Beziehungen besteht, die alle miteinander haben.

Prinzip der Individualisierung: Im Sinne der zwei ersten Prinzipien ist es politisch legitim, dass jeder Mensch seine persönliche Individualität frei entfalten darf, das zu sein, was er sein kann, und zu handeln, ohne dem Anderen zu schaden.

Prinzip des gemeisterten und schöpferischen Konflikts: Weil jeder potentiell seine besondere Individualität vorbringt, ist klar, dass die Menschen gelegentlich einander widerstreiten. Aber sie dürfen das nur tun, solange die gemeinsame Vergesellschaftung nicht in Gefahr ist, solange diese Rivalität schöpferisch, und nicht destruktiv entfaltet wird.

Aus diesen Prinzipien folgen:

Moralische Überlegungen

Was jedes Individuum hoffen darf, ist die gleiche und gegenseitige Anerkennung der Menschenwürde, die Möglichkeit, dass für jeden die materiellen Bedingungen gesichert sind, und dadurch jeder seine Vorstellung vom guten Leben führen kann, solange die Vorstellungen der anderen mitbeachtet wird.

Es ist ihnen verboten, das Maß zu übertreten (die Vorstellung der griechischen Hybris), das heißt, das Prinzip der gemeinsamen Menschheit und der Vergesellschaftung zu gefährden.

Konkret gesprochen: Korruption zu bekämpfen ist für alle Pflicht.

Politische Überlegungen

Im Sinne des Konvivialismus wird ein Staat oder eine Regierung nur dann Legitimität beanspruchen dürfen, wenn sie

- die vier Prinzipien beachtet, und zwar jene der gemeinsamen Menschheit, der gemeinsamen Vergesellschaftung, der Individualisierung und der gemeisterten Opposition, und wenn sie den eben betrachteten moralischen, ökologischen und wirtschaftlichen Gehalt umzusetzen helfen.

Insbesondere kommt es darauf an, dass die legitimen Staaten ihren ärmsten Staatsbürgern ein Mindesteinkommen, in welcher Form auch immer, zusichert , so dass sie vor Verelendung geschützt sind, und dass sie allmählich ein Maximaleinkommen einführen, der es den reichsten Staatsbürgern verbietet, maßlos reich zu werden, indem sie ein Niveau überschreiten, der die Prinzipien der gemeinsamen Menschheit und der gemeinsamen Vergesellschaftung zunichte macht.

Ökologische Überlegungen

Der Mensch wird nicht mehr als Besitzer und Meister der Natur betrachtet werden können. Er ist Teil der Natur und steht ihr nicht mehr gegenüber. Bildlich gesprochen, muss ein Verhältnis gefunden werden, dass dem Schema der Gabe und der Gegengabe entspricht. Um den nächsten Generationen eine intakte Natur zu übergeben, muss der Mensch der Natur mindestens das gleiche oder sogar mehr zurückgeben, als von ihr erhalten oder entnommen wurde.

Wirtschaftliche Überlegungen

Zwischen Reichtum, materiell und finanziell gesehen, einerseits, und Glück und Wohlergehen andererseits, besteht bisher noch kein klares Verhältnis. Ökologisch gesehen macht es die Lage des Planeten notwendig, nach allen Formen eines Reichtums ohne Wachstum zu streben. Im Sinne der Vielfalt aller Wirtschaftsformen, muss ein Gleichgewicht gefunden werden zwischen Marktwirtschaft, öffentlichem Markt und jenen Wirtschaftsformen, die sich aus Vereinigungen ergibt (sei es im sozialen oder anderen Bereichen), je nachdem die Güter und Leistungen individuell, kollektiv oder gemeinsam produziert werden sollen.

 

Was tun?

Es soll nicht verschwiegen werden: Gewaltige und furchterregende Mächte stehen dem Menschen gegenüber, die sowohl finanzieller als auch materieller, technischer, wissenschaftlicher und intellektueller, militärischer, aber auch krimineller Art sind. Die drei wichtigsten Mittel, diese oft unsichtbaren und schwerzudefinierenden Mächte zu bekämpfen, sind folgende:

Entrüstung, gegenüber der Maßlosigkeit und der Korruption, die Scham, die vonnöten ist, um all jenen klarzumachen, welche Folgen ihr Verhalten hat, der sie dazu führt die Prinzipien der gemeinsamen Menschheit und der gemeinsamen Vergesellschaftung, direkt oder indirekt, aktiv oder passiv, zu verletzen.

Das Gefühl, Teil einer gemeinsamen Menschheit zu sein .

Wir müssen uns von den Gefühlswelten berühren lassen und von den Leidenschaften viel weiter tragen lassen, als einzig nur durch das Vermögen der einen oder den anderen, vernünftig zu handeln.

Abbruch und Übergang

Eine Politik, die konkret auf den Konvivialismus baut, muss Folgendes berücksichtigen:

- Unbedingt notwendig ist es, Gerechtigkeit und eine gemeinsame Menschheit zu schaffen, was besagt, dass die Ungleichheit, die zwischen den Reichen und dem Rest des Bevölkerung seit den 1970er Jahren explosiv zugenommen hat, beseitigt werden muss.

- Unbedingt notwendig ist es, Werten wieder einen Ort zu verleihen, sie zu verorten, denn die Globalisierung hat zuviel veräußert.

- Unbedingt notwendig ist es, die Umwelt und unsere natürlichen Ressourcen zu schützen.

- Unbedingt notwendig ist es, die Arbeitslosigkeit aus der Welt zu schaffen und jedem eine anerkannte Funktion und Rolle in den Arbeitsprozessen der Gesellschaft zu bieten.

 

Wie der Konvivialismus konkret, je nach Situation, entfaltet werden soll, das wird vor allem daran gemessen, inwiefern es gelingt, die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern und eine Alternative zu der jetzigen Lebensweise aufzubauen, die vielfältigen Gefahren ausgesetzt ist. Eine Alternative, die uns nicht glauben machen möchte, dass man alle Probleme durch einen unendlichen Wirtschaftswachstum lösen könnte.

 

Claude Alphandéry, Geneviève Ancel, Ana Maria Araujo (Uruguay), Claudine Attias-Donfut, Geneviève Azam, Akram Belkaïd (Algerien),Yann-Moulier-Boutang, Fabienne Brugère, Alain Caillé, Barbara Cassin, Philippe Chanial, Hervé Chaygneaud-Dupuy, Eve Chiapello, Denis Clerc, Ana M. Correa (Argentinien), Thomas Coutrot, Jean-Pierre Dupuy, François Flahault, Francesco Fistetti (Italien),Anne-Marie Fixot, Jean-Baptiste de Foucauld, Christophe Fourel, François Fourquet, Philippe Frémeaux, Jean Gadrey, Vincent de Gaulejac, François Gauthier (Schweiz),Sylvie Gendreau (Kanada), Susan George (États-Unis), Christiane Girard (Brasilien), François Gollain (Grossbritannien), Roland Gori, Jean-Claude Guillebaud, Paulo Henrique Martins (Brésil), Dick Howard (USA), Marc Humbert, Eva Illouz (Israel), Ahmet Insel (Türkei), Geneviève Jacques, Florence Jany-Catrice, Hervé Kempf, Zhe Ji (China), Elena Lasida, Serge Latouche, Jean-Louis Laville, Camille Laurens, Jacques Lecomte, Didier Livio, Gus Massiah, Dominique Méda, Margie Mendell (Kanada), Pierre-Olivier Monteil, Jacqueline Morand, Edgar Morin, Chantal Mouffe (Grossbritannien), Yann Moulier-Boutang, Osamu Nishitani (Japan), Alfredo Pena-Vega, Bernard Perret, Elena Pulcini (Italien), Ilana Silber (Israel), Roger Sue, Elvia Taracena (Mexico), Frédéric Vandenberghe (Brasilien), Patrick Viveret.

 



[1] Dieser Text ist die gekürzte Fassung des Manifeste Convivialiste, der am 14. Juni 2013 im Verlag Le Bord de l’eau erschienen ist (40 S. , 5€). Die Leser, die sich im Einklang fühlen mit den hier vertretenen Thesen, können über Internet die Bewegung unterstützen, unter folgender Adresse: : http://lesconvivialistes.fr oder https://www.facebook.com/LesConvivialistes

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Abrégé du manifeste convivialiste
Declaration d’interdependance1

Jamais l’humanité n’a disposé d’autant de ressources matérielles et de compétences techniques et scientifiques. Prise dans sa globalité, elle est riche et puissante comme personne dans les siècles passés n’aurait pu l’imaginer. Rien ne prouve qu’elle en soit plus heureuse. Mais nul ne désire revenir en arrière, car chacun sent bien que de plus en plus de potentialités nouvelles d’accomplissement personnel et collectif s’ouvrent chaque jour.

Pourtant, à l’inverse, personne non plus ne peut croire que cette accumulation de puissance puisse se poursuivre indéfiniment, telle quelle, dans une logique de progrès technique inchangée, sans se retourner contre elle-même et sans menacer la survie physique et morale de l’humanité. Les premières menaces qui nous assaillent sont d’ordre matériel, technique, écologique et économique. Des menaces entropiques. Mais nous sommes beaucoup plus impuissants à ne serait-ce qu’imaginer des réponses au second type de menaces. Aux menaces d’ordre moral et politique. À ces menaces qu’on pourrait qualifier d’anthropiques.
Le problème premier

Le constat est donc là : l’humanité a su accomplir des progrès techniques et scientifiques foudroyants, mais elle reste toujours aussi impuissante à résoudre son problème essentiel : comment gérer la rivalité et la violence entre les êtres humains ? Comment les inciter à coopérer tout en leur permettant de s’opposer sans se massacrer ? Comment faire obstacle à l’accumulation de la puissance, désormais illimitée et potentiellement auto-destructrice, sur les hommes et sur la nature ? Si elle ne sait pas répondre rapidement à cette question, l’humanité disparaîtra. Alors que toutes les conditions matérielles sont réunies pour qu’elle prospère, pour autant qu’on prenne définitivement conscience de leur finitude.

Nous disposons de multiples éléments de réponse : ceux qu’ont apportés au fil des siècles les religions, les morales, les doctrines politiques, la philosophie et les sciences humaines et sociales. Et les initiatives qui vont dans le sens d’une alternative à l’organisation actuelle du monde sont innombrables, portées par des dizaines de milliers d’organisations ou d’associations, et par des dizaines ou des centaines de millions de personnes. Elles se présentent sous des noms, sous des formes ou à des échelles infiniment variées : la défense des droits de l’homme, du citoyen, du travailleur, du chômeur, de la femme ou des enfants ; l’économie sociale et solidaire avec toutes ses composantes : les coopératives de production ou de consommation, le mutualisme, le commerce équitable, les monnaies parallèles ou complémentaires, les système d’échange local, les multiples associations d’entraide ; l’économie de la contribution numérique (cf. Linux, Wikipedia etc.) ; la décroissance et le post-développement ; les mouvements slow food, slow town, slow science ; la revendication du buen vivir, l’affirmation des droits de la nature et l’éloge de la pachamama ; l’altermondialisme, l’écologie politique et la démocratie radicale, les indignados, Occupy Wall Street ; la recherche d’indicateurs de richesse alternatifs, les mouvements de la transformation personnelle, de la sobriété volontaire, de l’abondance frugale, du dialogue des civilisations, les théories du care, les nouvelles pensées des communs, etc.

Pour que ces initiatives si riches puissent contrecarrer avec suffisamment de puissance les dynamiques mortifères de notre temps et qu’elles ne soient pas cantonnées dans un rôle de simple contestation ou de palliation, il est décisif de regrouper leurs forces et leurs énergies, d’où l’importance de souligner et de nommer ce qu’elles ont en commun.
Du convivialisme

Ce qu’elles ont en commun, c’est la recherche d’un convivialisme, d’un art de vivre ensemble (con-vivere) qui permette aux humains de prendre soin les uns des autres et de la Nature, sans dénier la légitimité du conflit mais en en faisant un facteur de dynamisme et de créativité. Un moyen de conjurer la violence et les pulsions de mort. Pour le trouver nous avons besoin désormais, de toute urgence, d’un fond doctrinal minimal partageable qui permette de répondre simultanément, en les posant à l’échelle de la planète, au moins aux quatre (plus une) questions de base :

- La question morale : qu’est-il permis aux individus d’espérer et que doivent-ils s’interdire ?

- La question politique : quelles sont les communautés politiques légitimes ?

- La question écologique : que nous est-il permis de prendre à la nature et que devons-nous lui rendre ?

- La question économique : quelle quantité de richesse matérielle nous est-il permis de produire, et comment, pour rester en accord avec les réponses données aux questions morale, politique et écologique ?

- Libre à chacun d’ajouter à ces quatre questions, ou pas, celle du rapport à la surnature ou à l’invisible : la question religieuse ou spirituelle. Ou encore : la question du sens.
Considérations générales :

Le seul ordre social légitime universalisable est celui qui s’inspire d’un principe de commune humanité, de commune socialité, d’individuation, et d’opposition maîtrisée et créatrice.

Principe de commune humanité : par delà les différences de couleur de peau, de nationalité, de langue, de culture, de religion ou de richesse, de sexe ou d’orientation sexuelle, il n’y a qu’une seule humanité, qui doit être respectée en la personne de chacun de ses membres.

Principe de commune socialité : les êtres humains sont des êtres sociaux pour qui la plus grande richesse est la richesse de leurs rapports sociaux.

Principe d’individuation : dans le respect de ces deux premiers principes, la politique légitime est celle qui permet à chacun d’affirmer au mieux son individualité singulière en devenir, en développant sa puissance d’être et d’agir sans nuire à celle des autres.

Principe d’opposition maîtrisée et créatrice : parce que chacun a vocation à manifester son individualité singulière il est naturel que les humains puissent s’opposer. Mais il ne leur est légitime de le faire qu’aussi longtemps que cela ne met pas en danger le cadre de commune socialité qui rend cette rivalité féconde et non destructrice.

De ces principes généraux découlent des :

Considérations morales

Ce qu’il est permis à chaque individu d’espérer c’est de se voir reconnaître une égale dignité avec tous les autres êtres humains, d’accéder aux conditions matérielles suffisantes pour mener à bien sa conception de la vie bonne, dans le respect des conceptions des autres

Ce qui lui est interdit c’est de basculer dans la démesure (l’hubris des Grecs), i.e. de violer le principe de commune humanité et de mettre en danger la commune socialité

Concrètement, le devoir de chacun est de lutter contre la corruption.

Considérations politiques

Dans la perspective convivialiste, un État ou un gouvernement, ou une institution politique nouvelle, ne peuvent être tenus pour légitimes que si :

- Ils respectent les quatre principes, de commune humanité, de commune socialité, d’individuation et d’opposition maîtrisée, et que s’ils facilitent la mise en œuvre des considérations morales, écologiques et économiques qui en découlent ;

Plus spécifiquement, les États légitimes garantissent à tous leurs citoyens les plus pauvres un minimum de ressources, un revenu de base, quelle que soit sa forme, qui les tienne à l’abri de l’abjection de la misère, et interdisent progressivement aux plus riches, via l’instauration d’un revenu maximum, de basculer dans l’abjection de l’extrême richesse en dépassant un niveau qui rendrait inopérants les principes de commune humanité et de commune socialité ;

Considérations écologiques

L’Homme ne peut plus se considérer comme possesseur et maître de la Nature. Posant que loin de s’y opposer il en fait partie, il doit retrouver avec elle, au moins métaphoriquement, une relation de don/contredon. Pour laisser aux générations futures un patrimoine naturel préservé, il doit donc rendre à la Nature autant ou plus qu’il ne lui prend ou en reçoit.

Considérations économiques

Il n’y a pas de corrélation avérée entre richesse monétaire ou matérielle, d’une part, et bonheur ou bien-être, de l’autre. L’état écologique de la planète rend nécessaire de rechercher toutes les formes possibles d’une prospérité sans croissance. Il est nécessaire pour cela, dans une visée d’économie plurielle, d’instaurer un équilibre entre Marché, économie publique et économie de type associatif (sociale et solidaire), selon que les biens ou les services à produire sont individuels, collectifs ou communs.
Que faire ?

Il ne faut pas se dissimuler qu’il faudra pour réussir affronter des puissances énormes et redoutables, tant financières que matérielles, techniques, scientifiques ou intellectuelles autant que militaires ou criminelles. Contre ces puissances colossales et souvent invisibles ou illocalisables, les trois armes principales seront :

- L’indignation ressentie face à la démesure et à la corruption, et la honte qu’il est nécessaire de faire ressentir à ceux qui directement ou indirectement, activement ou passivement, violent les principes de commune humanité et de commune socialité.

- Le sentiment d’appartenir à une communauté humaine mondiale.

- Bien au-delà des « choix rationnels » des uns et des autres, la mobilisation des affects et des passions.
Rupture et transition

Toute politique convivialiste concrète et appliquée devra nécessairement prendre en compte :

- l’impératif de la justice et de la commune socialité, qui implique la résorption des inégalités vertigineuses qui ont explosé partout dans le monde entre les plus riches et le reste de la population depuis les années 1970

- Le souci de donner vie aux territoires et aux localités, et donc de reterritorialiser et de relocaliser ce que la mondialisation a trop externalisé.

- L’absolue nécessité de préserver l’environnement et les ressources naturelles.

- L’obligation impérieuse de faire disparaître le chômage et d’offrir à chacun une fonction et un rôle reconnus dans des activités utiles à la société.

La traduction du convivialisme en réponses concrètes doit articuler, en situation, les réponses à l’urgence d’améliorer les conditions de vie des couches populaires, et celle de bâtir une alternative au mode d’existence actuel, si lourd de menaces multiples. Une alternative qui cessera de vouloir faire croire que la croissance économique à l’infini pourrait être encore la réponse à tous nos maux.

Claude Alphandéry, Geneviève Ancel, Ana Maria Araujo (Uruguay), Claudine Attias-Donfut, Geneviève Azam, Akram Belkaïd (Algérie), Yann Moulier-Boutang, Fabienne Brugère, Alain Caillé, Barbara Cassin, Philippe Chanial, Hervé Chaygneaud-Dupuy, Eve Chiapello, Denis Clerc, Ana M. Correa (Argentine), Thomas Coutrot, Jean-Pierre Dupuy, François Flahault, Francesco Fistetti (Italie), Anne-Marie Fixot, Jean-Baptiste de Foucauld, Christophe Fourel, François Fourquet, Philippe Frémeaux, Jean Gadrey, Vincent de Gaulejac, François Gauthier (Suisse), Sylvie Gendreau (Canada), Susan George (États-Unis), Christiane Girard (Brésil), François Gollain (Royaulme Uni), Roland Gori, Jean-Claude Guillebaud, Paulo Henrique Martins (Brésil), Dick Howard (États-Unis), Marc Humbert, Éva Illouz (Israël), Ahmet Insel (Turquie), Geneviève Jacques, Florence Jany-Catrice, Zhe Ji (Chine), Hervé Kempf, Elena Lasida, Serge Latouche, Jean-Louis Laville, Camille Laurens, Jacques Lecomte, Didier Livio, Gus Massiah, Dominique Méda, Margie Mendell (Canada), Pierre-Olivier Monteil, Jacqueline Morand, Edgar Morin, Chantal Mouffe (Royaume Uni), Osamu Nishitani (Japon), Alfredo Pena-Vega, Bernard Perret, Elena Pulcini (Italie), Ilana Silber (Israël), Roger Sue, Elvia Taracena (Mexique), Frédéric Vandenberghe (Brésil), Patrick Viveret.

1 Ce texte est l’abrégé du Manifeste convivialiste, publié le 14 juin 2013 aux éditions Le Bord de l’eau (48 p. 5 €). Les lecteurs qui se sentiront en accord avec les principes qu’il expose peuvent en témoigner en déclarant leur soutien.

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